Dezember 2, 2020

Unterschiede zwischen saisonaler Grippe und Corona

Zu den vielen Unsicherheiten im Rahmen der Corona-Pandemie gehört die schwierige Unterscheidung zwischen der neuen Erkrankung und regelmäßig auftretenden Grippe- und Erkältungswellen. Wer nun Husten und Fieber hat, fragt sich sofort: Ist es eine Grippe oder doch das neue Virus? Welche Unterschiede es bei Symptomen, Verbreitung, Verlauf und Sterblichkeit gibt, wird im Folgenden erläutert.

Symptome

Als Leitsymptome für Corona gelten trockener Husten und Fieber. Aber auch Halsschmerzen und –kratzen, Atemnot sowie Gliederschmerzen kommen vor, gelegentlich zudem Schnupfen und Durchfall. Anhand dieser Symptome lässt sich die Infektion kaum von anderen Virusinfektionen wie Erkältung oder Grippe unterscheiden. Als einzigartig für eine Corona-Infektion wird das Symptom des zeitweisen Verlusts von Geruchs- und Geschmackssinn beschrieben, auch ein unangenehmer Geschmack beim Essen wird berichtet. Diese Auffälligkeit unterscheidet sie zwar von einer Grippe, tritt jedoch nicht notwendigerweise bei jedem Infizierten auf. Bei Auftreten von Symptomen ist es also immer sinnvoll, sich sofort selbst zu isolieren und baldmöglichst testen zu lassen.

Im Falle schwerer Verläufe der Covid-19 genannten Erkrankung nimmt die Atemnot zu und Patienten müssen via Atemmaske oder sogar im künstlichen Koma mit einem Beatmungsgerät unterstützt werden. Atemnot belastet das Herz stark, auch Niere und Leber können Schaden nehmen. Diese Kombination ist zumeist für den Tod verantwortlich und der Grund, warum Personen mit Vorschäden an einem dieser Organe als besonders gefährdet für schwere Verläufe gelten.

Verbreitung

Bei der Verbreitung spielt unter anderem das Krankheitsgefühl eine Rolle: Etwa 80 Prozent aller an Corona Erkrankten zeigen Verläufe zwischen symptomlos und deutlichem Krankheitsgefühl mit Fieber und leichter Atemnot. Bei 20 Prozent hingegen ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Auch bei Grippe bleibt etwa ein Drittel der Patienten symptomlos, ein weiteres erkrankt milde und ein Drittel entwickelt schweres Krankheitsgefühl mit hohem Fieber. Dieses setzt oft schlagartig ein. Problematisch ist, dass Corona bereits vor dem Auftreten spürbarer Krankheitssymptome ansteckend sein kann. So wird die Übertragungsrate von Grippe auf ca. 1-1,5 Personen, bei Corona hingegen auf durchschnittlich 1,5-2,5 Personen geschätzt. Das ist einer der Gründe für die beobachtete sehr schnelle Verbreitung.

Einen weitereren Faktor stellt die Resilienz gegenüber Umweltfaktoren dar: Generell sind Viren deutlich anfälliger gegen bestimmte Bedingungen als einige – jedoch nicht alle – Bakterien. Das liegt an ihrer Unfähigkeit, stabile, langfristige Überdauerungsformen oder Sporen zu bilden. Ihre Überlebensspanne außerhalb des Körpers liegt daher zwischen Minuten und Wochen. Allerdings erweist sich das Corona-Virus bislang als etwas widerstandsfähiger gegen Trockenheit oder Hitze als die meisten Grippeviren. Deren durchschnittliche Lebensdauer wird unter für sie idealen Umständen mit maximal drei Tagen angegeben, bei Corona können es wahrscheinlich bis zu neun sein. Zwar ist es trotzdem möglich, dass die Verbreitung in den heißen Sommermonaten zurückgeht, allerdings weniger stark als bei Grippe und sicherlich nicht bis zum Stillstand.

Sterblichkeit

Wie hoch die Sterblichkeit (Letalität) bei einer Corona-Infektion ist, ist nicht abschließend geklärt. Das liegt unter anderem daran:
– Dass in unterschiedlichen Ländern und Regionen verschiedene Altersgruppen betroffen sind.
– Dass nur von den getesteten Personen ausgegangen werden kann. Diese Zahl unterscheidet sich je nach Testkapazitäten in einem Land oder einer Region erheblich von der der tatsächlich Infizierten.
– Dass die Letalität in einem funktionierenden Gesundheitssystem bei optimaler Versorgung stark von der in einem zusammenbrechenden System abweicht. Im schlimmsten Fall kann so nahezu jeder Patient, der beatmet werden müsste, automatisch zum Todesfall werden, unabhängig von seinen Chancen bei Beatmung.

Immer wieder wird in der Diskussion um die Gefährlichkeit von Corona auf die vermeintlich höheren Todeszahlen durch Grippe hingewiesen. Insbesondere die schwere Grippewelle 2017/2018 mit mehr als 25.000 errechneten Toten in Deutschland wird hierzu herangezogen. Allerdings hinkt der Vergleich aufgrund verschiedener Umstände:
– Genannt wird nur die schwerste, nicht eine durchschnittliche Grippewelle.
– Die aktuelle Corona-Krise ist noch nicht „fertig“, kann also noch gar nicht mit einem üblichen Grippejahr verglichen werden.
– Die Todeszahlen entwickeln sich trotz starker Schutzmaßnahmen, welche Ausmaße sie ohne diese Vorkehrungen erreichen würden, kann nur geschätzt werden.

Wissenschaftler beziffern die Letalität von Grippe mit 0,1-0,2 Prozent, es sterben also ein bis zwei von tausend Infizierten, üblicherweise mit Vorerkrankungen. Bei Corona zeigen sich auf Basis der oben genannten Faktoren sehr unterschiedliche Todesraten, die in der Forschung mit 0,3 bis über 3 Prozent angegeben werden. Dabei ist eine Überschätzung durch nicht identifizierte Infizierte zwar wahrscheinlich, trotzdem wird angenommen, dass die Letalität immer noch deutlich höher als bei Grippe ist. Ein besonders problematischer Faktor ist jedoch die verhältnismäßig hohe Zahl derer, die eine – teilweise lange – Versorgung auf der Intensivstation benötigen. Das kann sogar dann rasch zu einer gefährlichen Überlastung des Gesundheitssystems führen, wenn die Sterblichkeit eigentlich nicht dramatisch wäre.

Bei vermeintlich relativierenden Vergleichen mit anderen Todesraten – beispielsweise Verkehrsunfällen, Suiziden oder Krebstoten – sollte nicht vergessen werden, dass diese während der Pandemie nicht einfach „aufhören“. Schon deshalb sind derartige Überlegungen zynisch und wenig sinnvoll.

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