August 15, 2020

Entschlacken und Saftfasten – was bringt’s?

Saftfasten, Entschlacken und ähnliche Konzepte finden sich besonders häufig in Medien mit spirituellem, alternativem oder esoterischem Touch. Je nach Quelle soll diese Art der Kur eine Ernährungsumstellung einleiten, als Diät dienen oder den Körper von unterschiedlich definierten Giften befreien. Kann das funktionieren?

Durchführung und Varianten

Da hinter der Idee des Entschlackens bestimmte Ernährungstheorien stecken und unterschiedliche Ziele verfolgt werden, ist die Durchführung nicht immer gleich. Zumeist wird jedoch die ausschließliche Ernährung mit flüssigen, veganen Substanzen wie Tees, Obst und Gemüsesäften vorgeschlagen. In einigen Varianten ist auch Brühe „erlaubt“. Manchmal wird zur Vorbereitung ein Einlauf angeraten. Die Dauer ist unterschiedlich, häufig finden sich Längen von ein bis fünf Tagen.

Vermeintliche Wirkung

Die Wirkungen, die Saftfasten und ähnlichen Konzepten nachgesagt werden, sind sehr unterschiedlich: Spirituelle Reinigung, geistige Klarheit sowie Entlastung von Darm oder Leber. Giftige Stoffe sollen auf diese Art regelrecht ausgeschwemmt und die Selbstheilungskräfte angekurbelt werden. Außerdem könne so eine Diät eingeleitet und ein signifikanter Gewichtsverlust in kurzer Zeit erreicht werden.

Wirkung

Leider unterscheiden sich die erhoffte und die tatsächliche Wirkung beim Saftfasten erheblich. Problematisch ist unter anderem der hohe Konsum von Fruchtzucker, wenn viele Obstsäfte konsumiert werden. Dieser wirkt sich negativ auf die Bauchspeicheldrüse aus und kann zudem Durchfälle verursachen. Wird hingegen vorwiegend Gemüsesaft und ungesüßter Tee genutzt, kann der Zuckerspiegel problematisch weit sinken. Dabei sind harmlose Symptome wie Schwäche und schlechte Laune, aber auch ernsthafte Kreislaufprobleme möglich. Der Darm selbst profitiert nicht von der vermeintlichen „Ruhe“ – als Folge ist eine eindeutig unerwünschte Darmträgheit möglich. Denn der Darm ist für eine gesunde Bakterienflora und regelmäßige Bewegung auf ein großes Maß an Ballaststoffen angewiesen. Diese finden sich vor allem in Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Fleisch. In Säften hingegen sind nur relativ wenig Ballaststoffe enthalten. Unabhängig davon existieren Schlacken im Darm nicht, es handelt sich dabei um ein altes und mittlerweile widerlegtes Konzept.

Für die Leber ist der Verzicht auf Alkohol und Fette hingegen durchaus positiv und erholsam. Allerdings kann ein anderes Problem entstehen: Fettzellen speichern bei ihrer Entstehung auch zu diesem Zeitpunkt im Körper kursierende Gifte – Schwermetalle oder bestimmte Medikamente beispielsweise. Normalerweise ist das völlig unproblematisch, da diese nur in derart geringen Mengen abgegeben werden, dass die Leber mühelos mit ihnen fertig wird. Anders beim Saftfasten. Aufgrund des Ausbleibens von Nahrungsfetten greift der Körper in hohem Maße auf Fettspeicher zurück, deutlich mehr als bei einer Ernährungsumstellung gepaart mit Sport. Dadurch kann die Leber eine Mehrbelastung erfahren, weshalb vor allem bei Vorerkrankungen auf diese Form der Kur verzichtet werden sollte.

Auch ein dauerhafter Gewichtsverlust ist eher fragwürdig: Bei einer derart strikten Diät verliert der Körper zwar viel Wasser und auch einiges Fett, doch er stellt auch sehr schnell auf einen sogenannten Hungerstoffwechsel um. Dieser wird zwar nach Ende der Kur wieder hochgefahren, allerdings nicht sofort, sodass sich häufig ein Jojo-Effekt einstellt. Hinzu kommt, dass bei dieser Diätform auf Eiweiße, vor allem auf leicht zu verwertende tierische Eiweiße verzichtet wird. Da der Körper trotzdem Proteine benötigt, beginnt er die eigenen Muskeln abzubauen, was den Grundumsatz verringert. Geschätzt sind ca. 25 Prozent des Gewichtsverlusts bei dieser und anderen Radikaldiäten auf Muskelabbau zurückzuführen.

Nichtsdestotrotz kann Saftasten für einige Menschen spirituellen Wert haben. Für eine gesunde Person stellt eine solche Kur keine Gefahr dar und kann daher guten Gewissens ausprobiert werden – sofern keine unrealistischen Erwartungen an die Ergebnisse gestellt werden.

Fazit

Gegen Fasten aus spirituellen Gründen spricht bei einer gesunden Person und begrenzten Zeiträumen nichts. Wer sich dafür entscheidet, sollte seinen Körper und seine Gesundheit jedoch gut beobachten. Ungeeignet sind Saftfasten und andere „Entschlackungskuren“ für Menschen mit Erkrankungen des Herzens, der Nieren oder der Leber sowie bei Krebserkrankungen oder Schwangerschaft. Denn dann kann eine solche Umstellung sogar gefährlich werden. Auch zum Abnehmen sind eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung und viel Bewegung sinnvoller.

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